Warum sollte man eine Pflanze neu kaufen, wenn sich aus einem gut eingewachsenen Exemplar ohne großen Aufwand gleich mehrere machen lassen? Bei der pfirsichblättrigen Glockenblume habe ich genau deshalb irgendwann angefangen, ältere Horste zu teilen. Nicht aus Sammelleidenschaft, sondern weil diese Staude nach einigen Jahren an derselben Stelle oft zeigt, dass sie etwas Aufmerksamkeit gebrauchen kann: Die Mitte wird lichter, einzelne Triebe kippen auseinander und die Blüte wirkt nicht mehr ganz so geschlossen wie früher.
Campanula persicifolia gehört zu den Stauden, bei denen Vermehrung und Verjüngung angenehm nah beieinanderliegen. Man gewinnt neue Pflanzen und hilft gleichzeitig einem älteren Bestand wieder auf die Beine. Wer ohnehin eine zweite Stelle im Garten bepflanzen möchte, sollte diesen Weg zumindest ausprobieren.
Teilen ist für mich die zuverlässigste Methode
Am unkompliziertesten gelingt die Vermehrung durch Teilung. Dafür warte ich nicht, bis die Pflanze völlig auseinanderfällt. Ein kräftiger Horst von einigen Jahren lässt sich meistens wesentlich sauberer bearbeiten als ein sehr altes, bereits geschwächtes Exemplar.
Ein guter Zeitpunkt ist das zeitige Frühjahr vor dem kräftigen Austrieb. Auch nach der Blüte kann eine Teilung funktionieren, sofern danach keine längere Hitzeperiode folgt. Bei trockenem Hochsommer würde ich davon eher Abstand nehmen. Frisch abgetrennte Wurzeln brauchen gleichmäßig feuchten Boden und keine zusätzlichen Belastungen.
Den gesamten Horst hebe ich mit dem Spaten großzügig aus. Dabei lohnt es sich, nicht unmittelbar am Pflanzenansatz senkrecht nach unten zu stechen. Ein paar Zentimeter Abstand erhalten deutlich mehr Feinwurzeln. Anschließend lässt sich der Ballen mit den Händen, einem Spaten oder bei sehr dichten Pflanzen mit einem stabilen Messer zerlegen.
Die neuen Stücke müssen übrigens nicht riesig sein. Entscheidend ist, dass jedes Teilstück mehrere gesunde Triebe beziehungsweise Austriebspunkte und ausreichend Wurzeln besitzt. Winzige Fragmente wachsen zwar manchmal an, brauchen aber deutlich länger, bis daraus wieder eine ansehnliche Staude geworden ist.
Was nach dem Teilen oft unterschätzt wird
Die eigentliche Arbeit beginnt für mich weniger beim Zerteilen als beim anschließenden Pflanzen. Setzt man die Stücke in ausgetrocknete Erde und gießt einmal oberflächlich darüber, hängen die Blätter möglicherweise schon am nächsten Nachmittag.
Ich lockere deshalb das neue Pflanzloch etwas breiter als den vorhandenen Wurzelballen und gieße nach dem Einsetzen gründlich. Die Pflanze kommt ungefähr so tief in die Erde, wie sie vorher gestanden hat. Zu tiefes Eingraben bringt keinen Vorteil. In den ersten Wochen sollte der Boden gleichmäßig leicht feucht, aber nicht dauerhaft nass bleiben.
Wer sich gleichzeitig mit Standort, Boden und Bewässerung beschäftigt, sollte auch die Pflege der pfirsichblättrigen Glockenblume im Blick behalten. Gerade nach einer Teilung merkt man schnell, wie stark Anwachsen und spätere Blühfreude von den Bedingungen am neuen Platz abhängen.
Auch Samen funktionieren – nur weniger berechenbar
Natürlich lässt sich die pfirsichblättrige Glockenblume auch aussäen. Das ist interessant, wenn man viele Pflanzen benötigt oder etwas Geduld mitbringt. Im Garten übernimmt die Staude diese Arbeit teilweise selbst. Zwischen älteren Exemplaren entdecke ich immer wieder kleine Sämlinge, besonders dort, wo der Boden nicht ständig gehackt oder dick gemulcht wird.
Bei der Aussaat sollte man allerdings nicht erwarten, dass jede Jungpflanze exakt wie die Mutterpflanze aussieht. Bei Sorten können sich Blütenfarbe, Wuchshöhe oder Blütenform unterscheiden. Wer eine bestimmte Sorte unverändert erhalten möchte, fährt mit der Teilung sicherer.
- Reife Samenstände erst abschneiden, wenn die Kapseln trocken werden.
- Feines Saatgut nur dünn auf das Substrat geben und nicht tief vergraben.
- Die Oberfläche während der Keimphase nicht austrocknen lassen.
- Junge Pflanzen erst umsetzen, wenn sie sich gut greifen lassen und kräftige Wurzeln gebildet haben.
Wann ich einen alten Horst lieber nicht mehr teile
Nicht jede Glockenblume eignet sich als Ausgangspflanze. Wenn ein Bestand sichtbar kümmert, faulige Wurzeln besitzt oder über längere Zeit unter Staunässe gelitten hat, würde ich nicht versuchen, möglichst viele Teilstücke daraus zu retten. Gesunde äußere Bereiche kann man gegebenenfalls verwenden, alles weiche oder dunkel verfärbte Material gehört jedoch weg.
Interessanter finde ich kräftige Pflanzen, die lediglich in der Mitte etwas verkahlen. Gerade bei solchen Exemplaren bringt eine Teilung oft einen sichtbaren Neustart. Nach einer Saison sind die einzelnen Stücke meist noch zurückhaltend, im zweiten Jahr sieht die Sache häufig schon ganz anders aus.
Ein bisschen Geduld gehört dazu
Frisch geteilte Glockenblumen sehen zunächst selten beeindruckend aus. Manche verlieren einzelne Blätter, andere bleiben einige Wochen nahezu stehen. Das ist kein Grund, sofort Dünger nachzuschütten. Die Pflanze beschäftigt sich zunächst damit, neue Wurzeln zu bilden.
Ich lasse ihr dafür lieber Ruhe und halte den Boden aufmerksam im Auge. Sobald neue Triebe erscheinen, weiß man, dass der entscheidende Schritt geschafft ist. Aus einem einzigen älteren Horst können so über die Jahre mehrere Gruppen entstehen, die im Frühsommer an unterschiedlichen Stellen ihre hohen Blütenstiele zeigen.
Genau darin liegt für mich der Reiz dieser Staude: Man muss sie nicht ständig ersetzen oder aufwendig vermehren. Man gibt ihr gelegentlich einen neuen Platz, etwas frische Erde und Zeit. Einige Monate später wirkt es beinahe so, als hätte sie diesen kleinen Eingriff längst vergessen.