Virtuelle Riesenteleskope

Mit zwei Forschungsprojekten, in denen virtuelle Riesenteleskope zum Einsatz kommen, sorgen Astronomen in diesem Jahr für Schlagzeilen.

Ein Blick ins Schwarze Loch

Um “RadioAstron” herzustellen, haben die Wissenschaftler mehrere Radioteleskope auf der Erde und im Weltall zusammengeschaltet. Dadurch entstand ein virtuelles Superteleskop mit 350.000 Kilometern Durchmesser, das ist beinahe der Abstand zwischen Erde und Mond.

Mit diesem größten Teleskop in der Geschichte der Astronomie wollen die Forscher Schwarze Löcher ins Visier nehmen, die Materie ausspucken. Mit NGC 1275, einem gigantischen Schwarzen Loch im Zentrum der Galaxie Perseus A, ist das bereits gelungen. Die Beobachtungen wurden jetzt veröffentlicht. Im Zentrum der meisten Galaxien befindet sich ein riesiges Schwarzes Loch, und bei vielen davon wurden Jets beobachtet, mit denen ein Teil der Materie wieder ins All geschleudert wird. Das Plasma schießt fast lichtschnell senkrecht aus dem Materiestrudel heraus. Die Entstehung dieser Jets ist allerdings noch ungeklärt.

Mit dem Superteleskop kann man die Struktur des Jets in der 230 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie mit einer bisher nicht gekannten Genauigkeit abbilden, es bietet eine zehnmal bessere räumliche Auflösung, als es zuvor möglich war.

Radioteleskop in der Wüste

Ein weiteres Forschungsprojekt hat jetzt ein Riesenteleskop in Südafrika eröffnet. In der Wüste Karoo wurden 64 Antennen zu dem riesigen Radioteleskop “MeerKAT” verbunden. Damit sollen nie zuvor gekannte Bilder aus dem All möglich werden. In der kargen Wüstenlandschaft stehen die gigantischen Schüsseln mit ihren gewaltigen Antennen verteilt über acht Kilometer. Zusammen sind sie das größte Teleskop auf der Südhalbkugel.

Mit den zu erwartenden Bildern aus dem Zentrum der Milchstraße wollen die Astronomen das Universum besser verstehen lernen. Die Auflösung wird 50- bis 100-mal genauer sein als bei anderen Radioteleskopen. Bei “MeerKAT” arbeiten elf Länder aus fünf Kontinenten zusammen. Dazu mussten nicht nur die Wissenschaftler kooperieren, sondern auch die Politiker. Alle haben andere Anforderungen und Schwerpunkte. Doch die Zusammenarbeit scheint zu klappen, bei der Einweihung funktionierten die Schüsseln einwandfrei.

Leave a Reply